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Bilderbogen aus 50 Jahren Kindergarten

1950

1955

1956

1968

1972

 

Chronik unseres Kindergartens

1897

nimmt die Geschichte eines Kindergartens in Waging ihren Anfang.

Der ledige Landwirt FRANZ XAVER SCHRÖCKENBAUER von Krautenberg errichtet ein Testament, worin er 44000 Mark aus seinem Barvermögen dem Waginger Pfarrer Georg Maier (1892-1907 Pfarrer in Waging) hinterlässt mit der Auflage, das Geld für die Errichtung einer "Kleinkinderbewahranstalt" zu verwenden F.X. Schröckenbauer vererbte dem Waginger Pfarrer übrigens weitere 20000 Mark für die Krankenanstalt in Waging.

 
1899 Pfarrer Georg Maier, das ist der Mann, der 1896/97 auch die Pfarrkirche erweitern und 1900 in Waging ein Krankenhaus errichten lässt, macht sich also auch an dieses Werk.
Weil er von Kinderbewahranstalten keine Ahnung hat, wendet er sich an die Generaloberin der Armen Schulschwestern in München mit der Bitte um Unterstützung. Es gab in Waging bereits seit 1848 drei Mitglieder dieses Ordens, die den Schuldienst versahen. Sie wohnten im sogenannten „Klösterl“ im Pfarrgarten, an der Nordseite der Kirche. Pfarrer Maiers Bitten an die Oberin lauten:

-- wie soll eine „moderne“ Kinderbewahranstalt aussehen?
-- könnte der Orden Personal zur Verfügung stellen?

Die Generaloberin Maria Hermanna antwortet dem „Hochwürdigen hochverehrten Herrn Pfarrer“, dass für die „kleine Welt Wagings“ (gemeint sind die Kinder) ein großer Saal von 70 qm ausreichen sei, auch ein Spiel- und Tummelplatz soll sich beim haus befinden. Ein Schlafraum mit Betten sei nicht notwendig, denn „die Kleinen schlafen, wenn das Bedürfnis hierzu vorhanden ist, ganz gut, den Kopf auf die Tischchen gestützt“ Die Küche der Anstalt, wo man die Suppe zubereitet, könne auch als Waschraum zur Reinigung der Kinder verwendet werden. Wenn die Zahl der Kleinen 40 übersteigt, bedürfe die Aufsichtsschwester der Unterstützung durch eine Kandidatin. Das Jahresgehalt für die Schwester betrage 360,, und für die Kandidatin 180,-- Mark.

Das waren die mageren Vorgaben, mit denen Pfarrer Maier den Waginger Maurermeister Seibold beauftragte, den Plan für eine Kinderbewahranstalt zu entwerfen.
Das Gebäude, in dem sich heute die Montessori-Schule befindet, ist dieses Haus, das den ersten Waginger Kindergarten beherbergte, erst später wurde dieser Komplex zum „Kloster“ umfunktioniert, Im Parterre des Neubaus wurde der Kindergarten eingerichtet, im ersten Stock war eine Wohnung vorgesehen, die jedoch vorerst nicht ausgebaut und belegt wurde.
Pfarrer Maier erkundigt sich auch in anderen Pfarreien, z.B. Palling nach den Erfahrungen mit einer Kinderbewahranstalt.
 
1901 Pfarrer Maier errichtet mit den an ihn vermachten und von ihm verwalteten 44.000Mark eine Stiftung mit dem Namen „Franz Schröckenbauer´sche Kinderbewahranstaltsstiftung“ (Stiftungsgenehmigung durch Prinzregent Luitpold am 06. März 1902)
Der Betrag von 44.000Mark soll folgendermaßen verwendet werden:
-->für 1500Mark wird am südöstlichen Ortsrand eine 1,5 Tagwerk große Wiese gekauft
-->27500Mark sind für die Erbauung der Anstalt vorgesehen
-->8000Mark werden in 4%igen Pfandbriefen der Bayerischen Handelsbank angelegt
-->7000Mark in 3,5%igen Pfandbriefen der Bayerischen Vereinsbank
Diese zusammen 15.000Mark waren dem Wunsch des Pfarrers entsprechend als „Stammvermögen der Anstalt ungeschmälert für alle Zeiten zu erhalten und zu mehren“. Aus den zinsen des Stammkapitals sollten das Anstaltspersonal und am Sterbetag des Spenders Schröckenbauer eine Jahrtagsmesse finanziert werden.
 
1901 Der Bau der Kinderbewahranstalt beginnt.
Zwischen Pfarrer Maier und Maria Innozentia, der Generaloberin der Armen Schulschwestern, wird ein Vertrag geschlossen, der die Übernahme der Kinderbewahranstalt durch den Orden festschreibt. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die bereits in Waging tätigen Ordensschwestern die Maßnahme bedeutend erleichtern.
 
1902 Die Waginger Kinderbewahranstalt – ein Neubau auf der grünen Wiese ist nun fertig und kann bezogen werden. Die Schwester, der die Leitung anvertraut ist, wohnt im „Klösterl“ hinter der Kirche.
Über den Alltagsbetrieb des Kindergartens ist leider nichts Genaues bekannt. Er wird wohl im Sinne der Zeit und entsprechend der Bezeichnung als „bewahrend“ charakterisiert werden können. Die Kinder wurden dort im Wesentlichen beaufsichtigt(bewahrt), in welcher Form sie im heutigen Sinn gefördert wurden, darüber geben die Akten wieder keine Auskunft. Auch über die Belegstärke sind wir nicht informiert.
 
1920 Die „Klosterschwestern“ übersiedeln und Pfarrer Martin Mittermaier aus dem „Klösterl“ hinter der Kirche in die leer stehende Wohnung im Obergeschoss des Kinderbewahranstalts-Gebäudes. Es tauchen nun vermutlich Überlegungen auf, das Haus insgesamt als Schule für die weibliche Jugend zu nutzen.
 
1923 Als in der Inflation von 1922/23 das Stammkapital der Kinderbewahranstaltsstiftung zugrunde geht, scheint man dies zum Anlass zu nehmen, den Betrieb der Kinderbewahranstalt insgesamt einzustellen. Ab diesem Jahr werden im Stiftung-Haus in zwei Sälen die Waginger Schülerinnen unterrichtet. Für Kindergartenkinder gibt es zwischen 1923 unf 1949, 26 Jahre lang, keinen Platz in Waging. In die kapitallose Stiftung, die nur noch aus dem Haus und dem Grundstück besteht, schlüpfen nun sozusagen größere, schulpflichtige Kinder.
Die im Haus befindlichen Mädchenschule wird 1943 der Aufsicht der Armen Schulschwestern entzogen und ausquartiert. Die Kindergartenstiftung muss an die politischen Gemeinden Waging und Gaden übergeben werden. Vorübergehend wird eine NS-Kindergartengruppe eingerichtet. Nach Kriegsende kann die Schule wieder in das Gebäude zurückkehren.
 
1948 feiern die Armen Schulschwestern in Waging ihr 100-jähriges Bestehen. Auf Bitten der politischen Gemeinde und sozusagen als Geburtstagsgeschenk soll wieder ein Kindergarten eingerichtet werden.  
1949

Am 12. September nimmt im Haus tatsächlich ein vom Orden der Armen Schulschwestern geführtet Kindergarten seinen Betrieb auf. Eine Schulklasse muss zu diesem Zweck ausgelagert werden, im frei werdenden Saal tummeln sich wieder Kleinkinder.

40 bis 60 Kinder (!) wurden in einer Gruppe unterrichtet. Ab etwa 1953 ging der Schwester eine Hilfskraft zur Hand.
Die erste zugewiesene Schwester und Leiterin des Kindergartens ist Maria Bernardo Hofherr, an die sich die heute etwa 50jährigen Waginger mit Sicherheit sehr gerne erinnern. In einer bebilderten Chronik beschreibt Schwester Bernardo ausführlich, wie sie zusammen mit den Kindern allmählich den Spielplatz und Garten gestaltet und wie sie sich jahr für Jahr bei der Oberin, bei der Kirchenverwaltung und bei der politischen Gemeinde kleine Anschaffungen erbettelt.

1954

Im Garten des Kindergartens wird eine „Spielhalle“ aus Holz aufgestellt.


1956

Das ursprüngliche Gebäude samt Veranda ist längst zu klein. Als Anbau wird ein völlig neuer Kindergarten errichtet. Der Pavillon-Bau ist durch einen überdachten Gang mit dem alten Haus verbunden. Im Neubau gibt es nun zwei Kindergartengruppen (heute die Bären und Spatzengruppe)
Herr Pfarrer Scherer hält eine Ansprache und überreicht den Spaten an Bürgermeister Huber zum ersten Spatenstich.

1974

Auch dieser Bau ist nun zu klein und wird um das Doppelte vergrößert (jetzt 4 Gruppen)


1985 Die Armen Schulschwestern werden von Waging abgezogen. Schule und Kindergarten
werden nun rein weltlich geführt. Zuletzt bestand der Konvent in Waging nur noch aus vier Schwestern, die vom Mutterhaus nun an anderen Orten eingesetzt werden. Das Stiftungshaus der Kinderbewahranstalt steht nun vollständig leer.
 
1988 In das Stiftungshaus zieht eine Montessori-Schule ein, wodurch der von F.X. Schröckenbauer festgelegte Stiftungszweck, nämlich Kinder zu bewahren, wieder erfüllt wird.
 
1999 50 Jahr-Feier seit der Wiedereröffnung des Kindergartens.
Der Kindergarten öffnet seine Pforten zum Tag der offenen Tür. Mit einem feierlichen Festgottesdienst zelebriert von Herrn Pfarrer Josef Kraller, wird dieser Festtag begonnen. Sehr zur Freude vieler Waginger kam die erste Leiterin Sr. Bernardo zu Besuch. Ebenso erschienen die ehemaligen Leiterinnen Schwester Margareta Metz und Frau Margret Tress.
Der Kindergarten war eine Begegnungsstätte vielerlei Generationen. Kinder, Eltern, Großeltern, sowie auch Urgroßeltern ließen sich dieses Ereignis nicht entgehen.

Leiterinnen des Waginger Kindergartens seit 1949:

1949-1956 Schwester Maria Bernardo Hofherr
1956-1962 Schwester Maria Edelhilde Mehling
1962-1976 Schwester Bertholdis
1976-1985 Schwester Margaretha Metz
1985-1996 Margret Tress
seit    1996 Lisa Promper

Geschichte: Franz Patzelt, Ortsheimatpfleger - September 1999

Literatur: Pfarrarchiv Waging XII,27

Chronik des Marktes Waging "Kindergarten und Kloster"

 

 

 

 

 

 

   
  Last Modified 04-Apr-2008